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 Betreff des Beitrags: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 16.10.2008, 12:53 
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Mein Watershed

Ich starte mit einem kleinen Review wie ich das Album erlebe:

Von Mikael als Überraschungseffekt gedacht, beginnt ein Metalalbum mit schönen Akustikgitarrenklängen. Schwedisches Understatement. Wie hat mal ein Azubi über einen unserer Auftritte geschrieben: Schöne Gitarren und Gesänge. Dazu noch der Schwanengesang der Oboen. Phantasiereise: Ich schwelge in sommerlichen Gefilden. Sommerwiesen , Weizenfelder (Scheisse ich bin Allergiker), breiten sich vor mir aus. Was für eine Idylle wird da besungen. RIDING? Ja reite ich denn? Jetzt bin ich wieder wach und mißtrauisch, hier stimmt was nicht.
Der Song hält zurück, was irgendwie in dem ganzen Album nicht richtig zum Ausbruch kommt. Obwohl Teile des Albums Schocker sind. Gefühle dürften sich EIGENTLICH entladen. Aber irgendwie bleibt das alles leer. Das Album schwingt auf einer merkwürdigen Frequenz, es bleibt Andeutung und Apostrophe. Keine Ahnung ob Mikael überhaupt weiß was da Unten poltert. Ok Coil , das war also der Teaser.

Mit dem ausklingenden letzten Akkord von Coil legt sich mir in Erwartung des dräuenden Gewitters ein Grabstein auf die Brust:

Heir Apparent
Da Bruno Analyse wollte hab ich mal versucht den Song für mich zu entzerren+ meinen Kommentar.

1Stomp mit nicht sehr doll verzerrten Gitarren. Heavy Riff das sich einbrennt, absolute Bleiplatte.

2Geträufelte Noten (0:40) in den hohen Lagen des Piano erinnern mich in ihrer Verlorenheit an einen debilen Debussy.

3 Stomp +Growls
Der Kontrast ist geraten gut zu Coil nun die Keule:
Beim ersten Mal hören fielen mir die Gitarren auf, insbesondere das für Mikael untypische, für Metal aber typische Oberton Gefiepe (bekanntes Beispiel: Zakk Wylde , der macht dass notorisch) . Zwillingsgitarren geben Alarmsirene.

4Klasse Überleitungs Break von Axe (2:26).
Gefälliges verwickeltes Grundriff das dem Thema gerecht wird:
Überraschendes Solo (für mich überraschend: da darf einer ausgiebig Dudeln, der NICHT Mikael heißt).
Der letzte Ton von Fredriks Solo verklingt auf einer Flöten und Lautenlandschaft (ab 3:30).
Ist da jetzt wieder die Wiese?
Nö AUA (4:10)Skelette --Stille- dann son Westerngitarrengeklimper (4:40)
so Sindbad der Seefahrer mässig ( melodisch moll?) darüber so Slidegitarre wie bei Blackwater Park.
AUA Mehr Geister (5:30) Und dann ein schöner typischer OPETH Säbeltanz (5:57) mit wirklich gutem Riffing.

6Konvolut und Qualudendonner(7:03). Was auf der CD mehrfach variiert vorkommt. Mal chromatisch absteigend in den Orkus oder wie hier Glissando in den Himmel hinein. Wieder ein paar Takte gespart.
Zum Schluß noch sphärisch getragener Ausklang (7:21), wer schön sein will muß geigen.

Lotus Eater:
Schalmai und Schlafgesang dann furios und mit großer Leichtigkeit: der Chorus mit Blast wie es nur Opeth fertigbringen (0:21). Dazu abwechselnd eine Prise Growl.
Schön einfach gehaltenes Riff (0:50) mit Klasse GR mässigem Gesang.
Dann James Bond Soundtrack gerade bedingt durch diesen absteigenden Vibraphonlauf (1:15).
Die Keys öffnen den Horizont. Die Gitarren trickeln und trackeln. Wieder Strophe (1.45).
Stairway to hell: (2:10) Pers Version von Rosemaries Baby.
Dann nochmal watt neues (ab 2:50) Die Feuerwehr kommt mit Blaulicht. Am Brandherd mit Schlauch steht Mikael: Solo. Der dumpfe verzerrte Verstärker auf Rechts (4:18) Flöten Lagerfeuerstimmung. Links glost wieder ein Balken (5:09). Rechts: Fredriks Gitarre nimmt den Erzählstrang bluesig wieder auf (5:26). Der Funke springt über (5:49). Das könnte so auch auf (6:24) auf Ghost Reveries stattgefunden haben (die alten Opeth) + King Crimson Sekunde Mellotron AHAHA (7:16). Angstmachende Growls(7:24). Wir machen ne Siance und rufen Robert E. Howard und fragen was das bitte soll (8:00).

Burden:
Tipp: Schön laut auf der heimischen Anlage hören.
Schöner Fripp-Solosound im Intro mit dem Gegeige aus der Dose. Mikael hatte das schreckliche Living und Dying von den schrecklichen Scorpions als Vorbild im Ohr.
Er wollte die Monsterballade. Das Ergebnis hört sich (GottseiDank) vielmehr nach Uriah Heep oder irgendeiner anderen 70er Geschichte an. Schweineorgelsolo das brennt wie ne Gürtelrose.
Solos: Gilt für beide Gitarristen: Ritchie Blackmore läßt grüßen. Manchmal gniedelt auch Iommie mit. Dann die verstimmte Gitarre, diesen Scherz nehme ich Mikael nicht übel. Auch wenn er selber darüber lacht. Wenn Sting das gemacht hätte , hätte ich brechen müssen: Wart mal ich spiel Bossa und sing französisch , wie PERVERS ich doch bin.

Auf Burden gebricht es dem Bandleader an der Selbstverständlichkeit und der Grandeur die jedem echten Sänger in all seiner Maniriertheit eigen ist. Aber gerade Mikaels Ungekünsteltheit läßt den Song menschlich bleiben und wird nicht zur untoten BombastKitschKLischeePose wie beispielsweise bei Coverdale.
Wer weiß vielleicht wird Mikael auf dem nächsten Album sogar noch Sänger. Im Augenblick scheint es mir aber so zu sein, daß er sich noch als Daueraushilfskellner betrachtet.


Paul Celans Herz:
Als ich das erste Mal das Video sah, dachte ich, was für ne Plattitüde. Belangloser Text, zugegebenermaßen Hammermässiges schweres Riff, Maschinedrums irgendwie eiskalt produziert. Schöne aber sich wiederholende Gitarren Pianoteile.
Der erlösende Mittelteil mit dem stereo wandernden Ostinato (3:28). Rhytmisch interessant ein schönes Uhrwerk, dann wiedereinmal nen AHAHAHA Chorus. Das kann Mikael ja aber watt denn.......Eine Gitarre mutterseelenallein , Soundtrack eines Roadmovies (vorbeiwehende Büsche) (4:30). Kammermusikalisches Zwischenspiel (4:56): Kinderreim mit Oboen und klassischer Gitarre. Mittelteil wiederholt sich aber dramatisch aufgepeppt ( Drumming) . Asymmetrischer Aufbau des Songs führt zu raschem Ende.
Meiner Meinung nach funktioniert der Song nur im Gesamtzusammenhang.

Hessian Peel:
Ry Cooder sitzt wieder am Bahngleis und hat den Blues.
(0:43):Etwas gewollt gebrochene Melodik der Strophe, das Halbtönchen, ein kleiner Trick gegen unsere Hörgewohnheit. Sowas hätt ich im Proberaum gelassen. (Hatte Mikael Kitschangst oder sollte das ein Trüffelchen sein?) Alles was Geige und Oboe hergibt. Platte rückwarts abspielen. Egal weiter:
Geiler Break: Super shuffelndes Sindbad Abenteuer (2:14) . Anlage aufreißen (Das Vibraphon wurde erst in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erfunden ) Sabbath Gitarrenfest (4:15):
Flötotto und Westerngitarre, Wasserfall mit Klavierteilen(4:50), Jan Hammer schaut kurz aus Prag vorbei (5:30)man höre Timeless mit John Abercrombie.
Die Bude brennt (5:44) brachial Riff und China China China. Ab (6:15) Sehr geiles Solo , überhaupt die Gitarrenparts sind kohl (bis 7:00), dann wird ein bißchen konstruiert und dann zurück aufs Schiff mit dem Galopperbeat und wirklichen schöne Harmonien (Strings) die leider von der AHAHA Kaskade der besagte chromatische Abgang zerbrochen wird. Dann folgt ein drängendes Riff das ich nicht ausgezählt habe mit Growls , daß ganze ist nichts für die Wickelstation. Jan Hammer macht sich zum Schluß die Gichtfinger wund. So... für mich ist hier die Platte zu Ende.

Als Zugabe gibts Hex Omega. Wieso das nun das Omega für das Album sein soll, da hätte ich doch lieber nix. Prog Rock Naja. die Jahrmarktsflöten , die etwas psychedelischen angezerrten Gitarren in der Strophe erinnern mich ein bissl an Buckleys Gitarren auf My Sweetheart the Drunk. Haufenweise Mellotrons auf den härteren arabesquen Parts. Das Solo von Fredrik. Das ist so progressiv , das ich mich an Crimson Glory aus den Achzigern erinnert fühle.
Dougi Hauser spielt uns noch was auf dem Synclavier. Mikael ruft nochmal die Gläubigen zum Gebet. Dann die zu weit nach Hinten produzierte Orgel. Satanische Messe Abgesang. Stimmungsvoll schon, wenn man Kerzen und umgedrehte Kreuze mag. Und das simple Schlußriff hat er definitiv über das kollektive Unbewußte von mir geklaut. LOL Sollte wohl evil klingen , ich habe das damals 1991 in den Äther geschickt und jetzt scheint es in Schweden runtergeregnet zu sein.


Der Mangel an Waldigkeit wurde ja schon beklagt. Vielleicht ist man jetzt aus dem Wald hinaus auf die Tundra gegangen.

Zum Songwriting:
Äh was hat auf diesem Album den so ne Rocktypische Liedform:
Am ehesten : Coil, Burden, Porcelain Heart (Joah chlor) , Hex Omega auf jeden.

Ja Heir apparent, Lotus eater, Hessian Peel: Was isn das , willkürliche Zusammenstellung, Reihung, Kompostition halbgarer Einfälle oder gar befreite Musik? Darf man das so Roadrunner Funk spielen?, Blockflöten? Darf Opeth das? Was soll uns das Kunstwerch bloß sagn???

Was mir an Watershed beindrückt hat:

Die Power , die Bosheit, die tiefe unausgesprochene Trauer, die totgeschwiegene Aggression in den verlogenen SANFTEN Parts. Tatsächlich finde ich hier aber keinen Zynismus. Jene Art von Energie die andere Metalbands antreibt (Realitätsabkehr, Soziales Engagement, pubertäre Weigerung Verantwortung zu übernehmen, Anpassungsstörungen, Magenschmerzen oder wie bei Nevermore oder Linkin Park [LOL Metalband] der Verlust des Teddies). Für mich bleibt das was Akerfeld da produziert immer sehr menschlich im Grunde einfach und voller Humor. Für mich sagt auch das Artwork viel mehr als die (vernachlässigbaren?) Texte. Für mich bleibt Klabautermann Mikael ein Mysterium, seine Musik spricht für ihn und nicht das Wort.
Harry Potter kann die Thestrale sehen (http://www.harrypotterwiki.de/index.php/Thestral), weil er dem Tod begegnet ist. Man muß für dieses Album nicht besonders empfindlich sein, es genügt daß einem nur ein Teil seiner Selbst weggestorben ist, um von dieser Musik berührt zu werden (Klinisch getestet: Ich hab es an meiner Mutter ausprobiert).

Hinzu kommt die Sympathie für die Band , die mich persönlich immer wieder inspiriert und mich dazu bringt auch wieder zur Gitarre zu greifen. Von Mikaels Vorliebe für die Scorpions und Purple mal abgesehen spiegelt die Musik auf sehr geschackvolle Art viel von dem wieder was ich auch mag oder früher viel gehört habe zB. Led Zep, King Crimson, Sabbath, Joni Mitchell etc.
Warten wir mal ab wie sich das Album in ein paar Wochen anhört. Besonders oft höre ich es nicht. Allerdings hat es MAYH ersteinmal aus meinem Aufmerksamkeitsfokus verdrängt. MAYH kommt aber bald dran.
Bin gespannt was die Band uns noch so bringt. Im Winter gehts erstmal zum Konzert.

Liebe Grüße

Herby


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 Betreff des Beitrags: Re: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 16.10.2008, 20:30 
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Leider bist du im völlig falschen Unterforum gelandet. Das gehört zu "Reviews".

Nichtsdestotrotz werde ich mal brav antworten: Du hast Nevermore beleidigt und auf eine Stufe mit Linkin Park gestellt und alleine dafür solltest du in der Hölle schmoren :lol:

Und du hast es fertig gebracht, Paul Celan in einer Songanalyse über Opeth unterzubringen. Respekt. Nun gut, hier kommt meine geistige Diarrhö:

Coil:

Dreiminütige Folksongs sollten ja spätestens nach dem großartigen Isolation Years kein Problem sein.
Fängt gut an, das minimalistische Gezupfe ab ~0:34 ist auch sehr gelungen. Die Basslinien sind toll.

Jetzt hätte der Song doch schon fast nach ~1:18 enden können… oder? Oboen, aha. Mehr Kitsch ging nicht? Etwas theatralischer Gesang von Mike… das soll der Refrain sein, ja?

Nun gut… was das ganze mit den Feldern von Zorro zu tun, verstehe ich zwar nicht, aber lassen wir ihn mal weitermachen.
So, aber jetzt könnte der Song doch nach ~1:48 end-… ah ja, der Gastauftritt. „MC Mike feat. Nat-Lo“ sozusagen.

Ihr Auftritt ist reichlich unspektakulär. Nicht weil sie nicht rumträllert wie eine finnische Opern-Diva (das kann ich gar nicht leiden…), sondern weil sie Mikes Verse exakt wiederholt.

Wie man Damengesang spärlich und effektiv einsetzt, habe ich bei Oceanic von Isis schon gekonnter gehört. So wirkt aber der Gastauftritt etwas forciert.

Und dann endet der Song mit einem für mich leicht bitteren Nachgeschmack.
Obwohl an sich nicht daran wirklich schlecht war. Nur irgendwie… ich weiß nicht… einfach nur so da ohne einen wirklichen Eindruck zu hinterlassen.

Einen zarten Dreiminüter als Intro vor einem brutalen Prog-Epos habe ich übrigens bei Somewhere Along the Highway von Cult of Luna ebenfalls effektiver gehört.

Hey, ich habe bereits 2 moderne Sludge-Bands in einer Songbesprechung für Opeth erwähnt. Wie unpassend. Jetzt muss ich nur noch Neurosis irgendwo unterbringen…


Heir Apparent:

Wohl der beste Song auf dem Album: Hier zeigt sich wieder, dass Opeth eine ausgezeichnete Death Doom Metal-Band abgegeben hätten; aber ich bin froh, dass sie doch so viel mehr sind. Meistens jedenfalls.

Wirklich fettes Riff am Anfang, viel Feedback, netter Slide und interessante zweistimmige (Dis-)Harmonik auf sehr basischem, aber effektivem Schlagzeugspiel.

Kurzes Break mit düsterem Pianogeklimper, bevor das Schicksal seinen Lauf nimmt. Wären nicht die Pinch Harmonics ab ~1:20, könnte der Song bis hier hin sogar auf “Antithesis of Light“ von Evoken stehen.

Ja, Zack Wylde benutzt auch gerne Pinch Harmonics, aber erstens zu viel und zweitens zu geschmacklos. Hier unterstreicht es schön den Death Metal, wie einst in Serenity Painted Death.

Fieser Gesang, fettes Palm Muting Riff und starkes Doppelbassgetrommel (leider ist die Basstrommel selber ziemlich lasch abgemischt und knallt einfach nicht).

Ein heftige groovender Gesangsrythmus und jede Menge Erinnerungen an Morbid Angel, zumindest bis zum Fill-in bei ~2:27. Danach typische Prog-Riffs, wie schon einst bei Ghost of Perdition und ein Solo, welches unpassenderweise an Glam Rock der 80er erinnert. Aber irgendwie doch cool.

Krasser Wechsel zu Zeppelin’schen Gitarrenfolk. Nichts neues für Opeth. Doch höre ich da Oboen? Oder sind es doch Flöten? Und wer spielt das live? Ich weiß nicht, ob das nicht doch zu viel des Guten ist.

Ich mein’, Flöten…? Was kommt als nächstes, ein ganzes Orchester? Nun gut. Die Akustikgitarre holt’s raus.

Radikal wird die Klanglandschaft von fiesem Death Metal unterbrochen bei ~4:09 – mit einem für Opeth-Verhältnisse äußerst stumpf gespieltem Schlagzeug. Sag mal Axe, meinst du das ernst mit dem Achtel-Gekloppe? Meint ihr nicht auch, dass Lopez das wesentlich eleganter gelöst hätte? Gut, es ist nur kurz, wird von einem skelettiertem Wunsch unterbrochen und… verdammt, es kommt wieder!

Wiederholung, unerwartetes Break bei ~4:39, düsteres Akustikgezupfe mit Camel’schen Solo der Marke Mikael. Wiederholung des stumpfen Death Metals. Submit to Nothing und Invisible Key und Masterpiece… ja ja, ist okay.

Erlösung vom stumpfen Part erfolgt bei ~5:58, wir bekommen etwas Gitarrenharmonien und nicht immer nur offene Akkorde.

Und fetziges Keyboardgewaber im Hintergrund und mehr Leadarbeit von den Gitarren und interessantem Schlagzeugspiel mit viel Hi-Hat und Cowbell (!) bevor der Song gewaltig herumhüpft wie ein 14-jähriger zu Slipknot; so bei ~6:41.

Fettes Stakkato-Ende und dann… dann… weiß Mikael einfach nicht, wie er den Song elegant beenden soll.
Also spielen einfach alle schneller und schneller, bis sich alles in Krach verliert. Aha, das ist also eure Vorstellung von einem Ende?

Ach nein, ihr hängt doch noch etwas dran. Ein paar Sekunden Feedback und plötzlich scheint etwas Orchid durch. Ich gebe zu, die Coda klingt super, allerdings dachte ich zuerst, dass da ein neuer Song beginnt.

Leider hat die Coda überhaupt keinen Bezug zum restlichen Song. Opeth sollten mal Neurosis (ha, geschafft!) fragen, wie man eine vernünftige Coda schreibt, die machen das nämlich recht häufig.

Dem Song hätten auch ein paar mehr harmonische Riffs gut getan, mir ist da etwas zu viel offenes Akkordgeschrammel drin, welches interessanterweise bei Ghost of Perdition noch sehr gut gepasst hatte. Aber das ist Erbsenzählerei.

Sagen wir mal, bis auf das etwas unglückliche Ende und das Snare-Gehacke von Axe ist der Song eigentlich recht ordentlich.


The Lotus Eater:

Sehr interessanter Anfang, sowas hört man natürlich nicht alle Tage. Das Geblaste unterstützt den Sirenengesang, der ruhige Beat die fiesen Growls.
Leider verschwinden die Gitarren irgendwo unter einem Wirbelwind aus Schlagzeug und Keyboard.

"Liquid is in your throat/Opeth delight" - heißt das, dass man Opeth nur betrunken ertragen kann?

Ab ~0:50 bis ~1:15… das soll ein Riff sein? Ehrlich? Seid ihr da auch ganz sicher? Wechsel… ich weiß nicht, was ich von dem Part bis ~1:44 halten soll. Klingt für meinen Geschmack zu fröhlich. Hätte von Children of Bodom sein können.

Und dann… ein Fade-in inkl. Wiederholung des Nicht-Riffs. Radikaler Stop bei ~2:05 inklusive unoriginellem Keyboardgedudel. Ganz toll. Sowas nennt ihr Songwriting?

Wiederholung der früheren Parts. Ein willkürliches Aneinanderreihen von einzelnen Noten bei 2:52. DAS nennt ihr einen Übergang? Wirklich? Nun gut, zumindest wird das Motiv wiederholt und der Song klingt nun wie eine psychedlische Abwärtsspirale des Seins. Geradezu avantgardistisch bis uns das Solo bei ~3:40 wieder zurück in die Realität holt.

Ende bei ~4:15, ein paar einzelne Noten lullen uns ein. Hach ja… träum, träum, träum. Die Musik gehorcht hier eindeutig dem Text. Nun gut. Aber so wirklich zusammenhängend kam mir das nicht vor. Eher willkürlich.

Uh, ~5:10… es wird wieder düster. Ein kurzes Solo bei ~5:26. Und dann ~5:43… WTF? Was ist das? Woher kommt das? Wozu dient das? Und vor Allem: MUSS DAS SEIN?
Gut, mir gefiel das Zigeunerintro von Beneath the Mire, aber ist das jetzt die Strafe dafür?

Erlösung um ~6:22 mit einem angenehm eingängigen Part ohne Sinn und Verstand. Zumindest nimmt man wieder ein paar Riffs wahr, die habe ich während des restlichen Songs schmerzlich vermisst.

~7:24: fiese Growls und starkes Schlagzeugspiel à la The Grand Conjuration. Und dann 50 Sekunden sinnloses Gelaber, das nur dazu dient, den Song in die Länge zu strecken.

Fazit: ein paar interessante, ein paar mittelmäßige und jede Menge halbgare Ideen willkürlich zusammengekleistert ohne jeglichen Sinn für Fluss und Komposition.

Musik sollte sich nicht immer nach der Lyrik richten. Lyrik muss sich der Gesamtform unterordnen, sonst hätten wir aus Watershed gleich ein paar Spoken Word Pieces machen können, gell Mikael?

Burden:

Jajaja… klassisches Pianointro. Nix neues, aber falsch ist daran ja auch nichts.
Greg Lake meets Ken Hensley meets Robert Fripp meets Ian Paice. Hey, klingt wie die neue Supergroup. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob noch alle von denen leben.

Mehr Schmalz wie ab ~0:49 hätten mir nicht einmal Heep aufs Brot geschmiert. Langweiliges Schlagzeugspiel. Hätte Lopez besser gemacht. „There’s an ocean of sorrow in you“ – wirklich? Muss das sein?

~1:18 klingt nach Glam Rock. „Soohooroooww“… Wiederholung ab ~1:30. Tralala. ~2:02 noch mehr Glam.
Muss ja nicht sein, oder?

~2:17 YEAH! Orgelsolo. Mir wachsen Kotletten und eine Rotzbremse, meine Hose weitet sich ganz unten und plötzlich ist der Gesangspart ab ~3:08 nur noch halb so schlimm.. für eine Weile zumindest.

Noch mehr Wiederholung. Strapaziert ein wenig meine Nerven, wenn ich für die Analyse so genau hinhöre. Normalerweise nervt mich der Song nicht ganz so schlimm. Vielleicht weil ich sonst abschalte.

„Aaaaahaaahhaa“… aha.

~4:08 David Coverdale spielt Solo. Moment, spielt Coverdale überhaupt Gitarre? Egal, Whitesnake scheinen irgendwie durch. Uh, zweistimmig. Ab ~5:12 wird es richtig gemütlich. Da kann man den grausigen Schmalz und überkünstelten Singsang schon fast vergessen. Fast.

Der Song endet eigentlich bei ~6:18, muss aber den Fanbois zuliebe unnötig in die Länge gestreckt werden mit einem Gimmick. Uuuuh, ihr seid so progressiv, dass ihr eine Gitarre beim Spielen verstimmen könnte.
Mann, ihr seid vielleicht Helden.


Porcelain Heart:

Oh, wie ich diesen Song liebe. Aber mal ruhig Blut und von Anfang an.

Ein doomiges Riff, das von Candlemass oder wahrscheinlich eher von Krux, Fredriks anderer Band, hätte stammen können. Leider unspektakulär.

Krasser Wechsel bei ~0:48. Typisch opethesques Gitarrengezupfe. Gesangspart geklaut aus A Fair Judgement. Und das nicht einmal sonderlich gut.

Lyrische Ergüsse wie „I wallow in shame“ machen eher mich beschämt.

Aus dem nichts kommt bei ~1:46 das Anfangsriff wieder. Problem: der Gesangspart und dieses Riff passen nicht zusammen. Überhaupt nicht.

Zudem ist das Riff nicht einmal besonders gut. Zumindest nicht gut genug, um alleine den Song zu tragen.

Und die Angeberei ab 2:05 könnte sich Axe echt schenken. Uh, du kannst Schlagzeug spielen. Na ganz toll. ~2:30 schon wieder dieser Gesangspart.

Es ist, als hätte ein lobotomisierter Affe zwei unterschiedliche Aufnahmen willkürlich zusammengekleistert. Bereits hier lässt sich erkennen, das Opeth im Einmaleins des Songwriting absolut versagt haben.

Willkürliches Zusammenkleistern ist nicht Komponieren. Mir scheint, als wolle Mikael unbedingt nachahmen, was Scott Walker auf The Drift mit mehr Klasse und Eleganz gemacht hat.

Das gleiche bei ~3.25… und dann ~3:58: „aaahhaaaahhaaah“… der dämlichste Refrain seit „mmmm mmmm mmmm“. Und schon wieder ein Takt, der an The Grand Conjuration erinnert.

Ist das Ende bei ~4:28 in Sicht? Mitnichten, der Song geht 8 (!) qualvolle lange Minuten. Warum? Weil Opeth keine kurzen Songs schreiben, darum! Du bist Fan und du leidest gern!

~4:56 Kinderreime und überdramatische Stimme von Mikael. Passend dazu ab ~5:19 geradezu kindische Oboen. Ich bin wieder in der 8en Klasse im Schulorchester. Oh, wie ich das hasste.

Ist ja nun genug mit der Wiederholung. Mike, erinnerst du dich, wieviele Elemente du in einen Song wie Ghost Reveries stecken konntest, ohne dass er überfrachtet war, sondern perfekt dahinglitt?

Und weißt du noch, wie du Songs ohne viele Elemente nicht ewig in die Länge gestreckt hattest, wie Isolation Years? Und das alles ist erst ein verdammtes Album her!

So, ich hoffe, der Song ist jetzt nach ~6:10 vorbei. Nein, quatsch, ging ja 8 Minuten, ich vergas.

Der nervigste Fade-in der Geschichte. Erlöse mich doch endlich einer von diesem Unfug. Noch mehr The Grand Conjuration v.2.0 – die billige Light-Version. Wie die billige Aldi-Variante zur Gourmet-Pizza, so verhält sich dieser Song zu seinem etwas älteren Gegenstück.

Noch mehr „Aaaaaahahaaha“-Chöre. Hat denn das kein Ende? Doch, bei ~7:30, aber der Song muss trotzdem weitergehen. Unter 8 Minuten kommt hier keiner davon. Ich fühle mich nun wie der lobotomisierte Affe.


Hessian Peel:

Drone… Drone… Klimper… Klimper… Spanish Caravan. La Isla Bonita.
Das spanisch anmutende Gezupfe am Anfang geht schnell in einen von Jethro Tull inspirierten Teil über bei etwa 0:43. Klingt irgendwie fröhlich und dann doch wieder nicht.

Irgendwo im Hintergrund schwirrt ein unangenehmer Ton rum, der das ganze eher bedrohlich wirken lässt. Als lauere ein unaussprechliches Böses im Hintergrund. H.P. Lovecraft lässt grüßen.

Mehr Tull bei ~1:19. Oder ist es wieder Zeppelin? Egal, klingt gut. Ungewohnter Halt bei ~2:03. Der umgedrehte Gesang ist wieder nur ein sinnloses Gimmick und trägt nichts zum Song bei. Dafür weiß der Rest durchaus zu gefallen.

Ab ~3:00 pegelt der Song sich im gemütlichen Schunkeltempo ein. Man lausche hier lieber dem Geblase im Hintergrund. Bei ~4:13 schaut Tony Iommi mal vorbei und zeigt, wie man ein gottverdammtes Riff spielt, da Mike sich in dieser Hinsicht ja etwas schleifen lässt. Yes, so geht das.

Etwas folkiges Getüdel am Ende mit Flöten, Piano und Klampfe und schon sind 50% des Songs heil und zufrieden überstanden, wenngleich ich mir noch nicht sicher bin, was genau ich hier empfinden soll.

Uh, Unheil verkündenes Geklimper. Sowas nennt sich jetzt auch schon Übergang in der Welt von Opeth, ich weiß ja nicht. Ist es ein Becken oder die Hi-Hat, die bei ~5:43 den Sturm verkündet? BÄM, Death Metal!

Und schon wieder der schwachbrüstige Basstrommelsound darunter. Habe schon bessere Riffs gehört, aber mal schauen, was ~6:14 so bringt. Yeah, schon besser. Schlagzeug kommt wieder verdammt vertraut vor, aber dafür rockt der Rest einfach mal sehr lässig.

Ein Riff wie der mit Ruhe angepinselte Tod und ein angenehmer Groove sorgen für wackelnde Köpfe.
Yeah, ab ~7:00 gibt es ein paar brauchbare Riffs und ein unerwarteter Wechsel bei ~7:22 inklusive recht ungewöhnlichen Gesangslinien und einigen recht seltsamen Akkordfolgen auf der Klampfe.

Etwas Unterbrechung ab 8:15 und wieder zurück zum Galopp inklusive kitschigen Streicherarrangements.

Was birgt 9:15? Unheil? Grollenden Donner? Tonnenschwere Riffs! Schräge Leadparts und fiese Growls! Das macht doch den einen oder anderen mittelmäßigen Part wieder wett.

Natürlich muss auch dieser Song am Ende um eine Minute in die Länge gezogen werden, aber hier ist es nicht weiter schlimm. Eigentlich ganz brauchbar, wenngleich ich mich nicht wirklich mitgerissen fühle.
Denn ich weiß nicht, was mir der Song auf musikalischer Ebene mitteilen will.

Hex Omega:

Omega (nicht zu verwechseln mit Omikron, Omaha und OMG) kommt natürlich ganz zum Schluss.
Zumindest wenn man Grieche ist. Tony Iommi ist kein Grieche, liefert aber abermals ein fettes Riff am Anfang. Abgelöst wird wird er durch eine Flötistin bei 0:41 und leider hört man dann nichts mehr von ihm.

Interessante Gesangsstrophe. Minimalistisches Gitarrengezupfe, psychedelisches Understatement und ein Crescendo, das bei ~1:30 explodiert und 20 Sekunden lang einen Höhepunkt hält, bevor wir wieder bei orientalischen Melodien, geheimnisvollem Gesang und viel, viel Mellotron landen.

Bei ~2:30 geht’s wieder rund. Liegt angenehm im Ohr und wirkt doch befremdlich und distanziert auf eine interessante Art und Weise.

Fesches Solo, das wie so oft auf dem Album in einem Break und etwas Pianogedudel übergeht bei ~3:12. Und doch ist es nicht störend.

Bläser bei ~3:48 leiten den nächsten Part ein. Minute 4, das Schlagzeug kehrt zurück, frühe Pink Floyd lassen grüßen.

Unheilvolle Klanglandschaften bis ~5:20. Dunkles Riff am Ende, welches mich kurz vergessen lässt, mit welch mediokerem Album Opeth mich hier beleidigt haben. Der Song entlässt mich in eine Leere, er behält den erwarteten Knalleffekt am Ende für sich und doch funktioniert er.
Tatsache ist, das gerade das Geheimnisvolle und Unnahbare diesen Song recht gut macht.

Interessanterweise fangen die anständigen Songs alle mit „He“ an. Helium ist natürlich wichtig, denn ohne die Fusion von Wasserstoff zu Helium würden wir alle ziemlich im Dunklen sitzen.
Ohne die „He“s wäre dieses Album ebenfalls ziemlich im Dunklen.


Derelict Herds:

Aha, was haben wir hier? Ein Bonus! Evil Riffs ov Death and Doom bis ~0:30…verzerrter und befremdlicher Gesang im (faux-)orientalischen Melodiegewand. Interessant.

Ein Solo ab ~1:20 und ein recht gleichförmiger, aber hypnotischer Rhythmus, bei dem jeder mit muss (habe ich das wirklich gerade gesagt?).

Seltsame Riffs ab ~2:15 und Death Metal à la The Grand Conjuration (SCHON WIEDER?!?) ab ~2:30.

Es macht sich ein Mangel an Blasinstrumenten positiv bemerkbar. „Sick with sorrow“. Mike, dir gefällt dieses Wort einfach zu gut, nicht war?

~4:25 ein böser Zirkus leitet wieder den pseudo-orientalischen Gesangspart ein. Es erinnert mich an etwas, aber ich komme nicht drauf. Der Song kommt kurz und bündig auf den Punkt.

Minimalistisch und ohne großen Höhepunkt, aber interessant. Hey, das war gar nicht schlecht.

Moment… das war wirklich nicht schlecht! Ach du scheiße, ihr habt diesen Song weggelassen und dafür Porcelain Heart auf das Album gehauen? Seid ihr noch zu retten?



Fazit:

Was bleibt, ist ein müdes Album einer Band, die zuviel Veränderung in den letzten 3 Jahren erfahren hat, um ein konsistentes Werk abzuliefern.

Statt auf Inspiration zu warten, wurde ein bisschen forciert, weil das Label ein neues Album erwartete. Also ich würde das Album nicht unbedingt verbrennen und wohl auch nicht verkaufen, aber oft wird es sicherlich nicht in meinem Player rotieren.

Es gibt durchaus brauchbare Songs, aber mehr auch nicht. Es fehlt an Substanz. Zwar werden Heir Apparent und The Lotus Eater sicherlich „Klassiker“ und ein Bestandteil eines jeden Konzerts, aber im Vergleich zu früheren Songs… nun ja, lassen wir das. Warten wir mal 3 Jahre ab, ob es beim nächsten Album wieder etwas mehr Substanz in den Songs enthalten sein wird. Und nicht nur Gimmicks und halbgare Ideen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 21.10.2008, 23:38 
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da haben sich zwei gefunden.

werde, sobald die 5.1 anlage endlich steht, dem album auch mal die faire chance geben mit ausschließlicher watershed-aufmerksamkeitsschenkung. vielleicht schreib ich dann ne trotzige einzeiler-review.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 29.10.2008, 19:40 
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Ja, da haben sich zwei gefunden...

Okay, ich bin vielleicht zu sehr ins Detail gegangen bei der Songbeschreibung und gebe auch zu, daß die Fokussierung auf die einzelnen Aspekte eines Songs durchaus dazu führen, ihn zu kritisch zu sehen, weil man sich sehr auf die einzelnen Teil und nicht auf das große Ganze konzentriert.

So geschehen bei Burden, der an sich ja ganz angenehm im Ohr liegt, so ähnlich wie anno dazumal bei Harvest. So erscheint mir die Scheibe meist wesentlich angenehmer, wenn sie "nebenbei" läuft. Warum?

Nun, der Titel dieses Topics lautet "Was dir an Watershed gefällt"; mir gefallen die wirklich arg eingängigen und melodischen Gesangsparts. Japp. Sie sind teilweise kitschig und haarsträubend klischeetriefend, aber angenehm im Ohr und lassen einen nicht mehr los.

Egal, ob da jemand durch die Felder von Zorro reitet oder irgendetwas von des Vaters einzigem Sohn verwendet wird oder jemand eine Bürde trägt oder Kinder von Harm weggeschlossen werden. Es frisst sich definitiv ins Gehirn.

Mikaels Gesangstalent wird von Album zu Album ausgereifter und ich kann durchaus nachvollziehen, daß er den klaren Gesang gegenüber dem Gegrunze bevorzugt. Warum?

Nun, seine Growls hatte er bereits bei Still Life auf technischer Ebene perfektioniert und nun poliert er sie nur noch von Album zu Album, damit sie halt nur noch tiefer, finsterer und böser klingen. Kein Wunder, daß auf Watershed nur 5 Minuten lang gegrowlt wird. Lässt sich das Album anhören? Definitiv. Ist es schlecht?

Nun... ich versuche wirklich, das Album zu mögen. Echt. Ich WILL es mögen. Ich habe es viele, viele... viele Male gehört, mit Kopfhörer, am Rechner, auf der Anlage und bald werde ich wahrscheinlich ein oder zwei Songs davon live hören. Es ist wohl nicht wirklich so schlecht.

In Relation zu allem, was so die Tage an anderweitig nicht mainstreamiger Metal- und Progressive-Musik veröffentlicht wird. Aber in Relation zu Opeth? Hui, hui, hui. Heikles Thema. Wisst ihr, wenn ich Still Life oder Blackwater Park oder MAYH höre, dann berühren mich manche Melodien emotional. Natürlich sind diese Melodien im Vergleich zu Watershed teilweise doch recht konventionell. Warum konventionell?

Nun, weil gewissen Melodien sich nun mal im Laufe der Zeit als doch recht effektiv erwiesen haben, um schwelgerische Emotionen hervorzurufen. Watershed hat nichts davon. Vielleicht von der Coda in Heir Apparent abgesehen. Es ist alles viel avantgardistischer; für mich klingt es wie eine weniger progressive, minimalistischere Version von Maudlin of the Well, nur halt ohne den ganzen Spaß und ohne den ganzen psychedelischen, traumwandlerischen Nebel. Irgendwie nackt halt.

Durch den Einstieg von Per an den Synthies wurde die restliche Musik, insbesondere die Gitarrenabteilung so arg auf das Nötigste reduziert. Wo früher in z.B. Bleak ein Riff das Fundament bildete, so bilden bei Watershed eher die Keys und der Gesang das Fundament. Das ist etwas, woran man sich erst gewöhnen muss.

Wo früher überleitende Riffs, Melodien und Schlagzeugparts die Übergänge in z.B. Lotus Eater übernommen hätten (man stelle sich vor, Lotus Eater wäre auf Still Life erschienen), muss man sich heutzutage mit scheinbar willkürlichen Keyboardgeplänkel begnügen. Das macht Per sicherlich Spaß, aber für mich ist der Synthesizer nun einmal nur ein Hilfsmittel im Metal. Ja, wenn ich Trip-Hop oder Post-Rock höre, dann ist es ein vollwertiges Instrument. Natürlich könnte da mein Denkfehler liegen: Opeth wollen sich nicht irgendwelchen Regeln unterwerfen und Grenzen sprengen. Da hat das Keyboard eben den gleichen Stellenwert wie die Gitarren. Aber ich persönlich mag vor allem Gitarrenmusik oder rein elektronische Musik. Gut, wenn ich an Esoteric denke, wo die Keys die Gitarren dominieren, dann fällt mir da natürlich ein Loch in meiner Logik auf, aber Esoteric wirken nicht so einfach gestrickt wie Watershed, sondern tief und vielschichtig wie einst die früheren Opeth-Alben, wenn nicht gar noch mehr. Und das mit weniger Riffs und kaum Tempowechseln.

Was Watershed angeht, so bilden die Gitarren nicht mehr das Grundgerüst der Songs. Und da liegt das Problem für mich. Keines der Instrumente bildet irgendein Grundgerüst. Es ist so... stückweise zusammengesetzt. Das ist aber wahrscheinlich genau das, was Mikael erreichen wollte. Weg vom alten, metallbasiertem Sound hin zu neuen Ufern der Progressivität...

Vielleicht erfüllt ja in Mikaels Kopf sogar Porcelain Heart einen Zweck, aber auf den Hörer wirkt der Song arg unterentwickelt und einfach nicht "geschrieben", sondern forciert und konstruiert und plump.

Fazit ist, daß sich Watershed immer ganz gut anhören lässt. So locker-flockig nebenbei und mitsingen kann man auch. Aber das kann man bei Popmusik doch auch? Ist Watershed Popmusik? Nein, ist es nicht. Aber es fehlt mir persönlich diese musikalische Tiefe, diese Vielschichtigkeit früherer Alben. Das machte damals die Songs so geheimnisvoll, so unergründlich. Man hat beim ersten Mal nicht alles herausgehört. Das gibt es leider bei Watershed nicht und daran muss man sich gewöhnen. Was man beim ersten Mal hört ist nun einmal alles, was es zu hören gibt. Schade eigentlich.

Also, was gefällt mir daran? Der Gesang. Die Eingängigkeit. Wenigstens sechs der sieben Songs... mehr oder weniger oder mehr weniger. Und daß man das Album im Gegensatz zu den anderen nebenbei anhören kann, ohne etwas zu verpassen. Ob nun letzterer Punkt positiv ist, sei einmal dahingestellt... eigentlich wäre das schon fast ein Kritikpunkt, aber ich habe das Album nun wahrlich mehr als genug kritisiert.

(dieser Post wurde unter Alkoholeinfluss geschrieben und darum hafte ich ich nicht für eventuelle Fehler in der Rechtschreibung. Oder Grammatik. Oder Syntax. Oder Sinn. Mein Gott, es ist ein Wunder, daß ich überhaupt noch Deutsch schreiben...)


Zuletzt geändert von Bruno am 31.10.2008, 08:53, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 30.10.2008, 21:32 
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Ich persönlich glaube , daß Per wenig Spass hat jenes Note für Note nachzuspielen was sein zwangsneurotischer Chef ihm sagt. Das wird auch spannend auf der Tour, dieses Abdudeln nervtötender achsoprogressiver programmatischer Collagesongs hat auch schon andere Bands zerbrochen zB. Genesis (siehe Bandgeschichte Album The Lamb lies Down on Broadway). STellt euch mal vor jeden Abend diesen Abgang DÖÖÖ DÖÖ DÖ Dö dö ö ö . Der Rest der Band kontrolliert angeödet die Fingernägel.
Danebst: Die Keyboards Schwallern halt hier und da aber strukturbildend sind die für mich nicht eher Kolorit. So Teppisch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 20.02.2009, 21:07 
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Was gefällt mir an "Watershed"? Der Albumtitel schonmal. Ich mache gerade eine persönlich sehr schwierige Zeit durch & habe das Gefühl, an einem Wendepunkt meines Lebens zu stehen. Im positiven Sinne, so hoffe ich. Der Text von "Coil" mag vielleicht klischeehaft sein. Aber ich liebe diesen Song! Das Duett zwischen Mike & Nathalie Norichs lässt mich bei jedem Hören erschaudern. Ich kriege jedes Mal eine Gänsehaut. Was für ein geiles Lied. Auch der Übergang zu "Heir Apparent" ist genial. Die Growls sind der Hammer & Mikes clean gesungene Vocals sowieso. Ich will es kurz machen. Mein Lieblingsalbum bleibt bis auf weiteres "Ghost Reveries", aber ich finde es gerade gut, daß "Watershed" anders klingt, obwohl es natürlich immer noch nach OPETH tönt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 08.06.2009, 16:08 
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Hi!

Ich kann die teils doch recht derbe Kritik nicht nachvollziehen, und zwar aus folgendem Grund:

Watershed ist das erste Album, was ich von Opeth gehört habe. Erst danach habe ich mir die vorherigen Alben (bisher bis zur Blackwater Park) zugelegt. Insofern bin ich ohne vorherige Ansprüche auf das Album gestoßen und hatte beim Hören auch keine Vorurteile.
Das Hörerlebnis war für mich einfach der Wahnsinn! Ich hatte bis dato noch nie ein Album gehört, was derartige Überraschungen bietet und einen so fasziniert - gut, mein musikalischer Hintergrund ist auch der "Mainstreamrockbereich" wenn man so will.

Watershed ist für mich auch das beste Album von Opeth (zu den Alben vor BW kann ich wie bereits erwähnt nichts sagen - bis auf die Songs auf den beiden DVDs). Und ich mag es vll auch unter anderem deshalb so gerne, weil es eingängige Melodien beinhaltet und die Riffs recht eingängig sind.

So weit.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 10.06.2009, 18:14 
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Beiträge: 2
also - miguel, ich muss mal bissl schimpfen. *mit dem zeigefinger in der luft rumfuchtel*
jemand der opeth - was man natürlich generell gar nicht mit musik tun sollte, mit keiner - objektiv beurteilt
wird nie nie nie nie nieeeemals auf den gedanken kommen watershed als bestes album zu bezeichnen. da fehlt
wie oben genannt einfach die substanz und solide ist es auch nun mal nicht wirklich.
hör dich bitte mal ins my arms your hearse rein, das ist neben blackwater park auch sehr gut. dann vergisst du
watershed ganz schnell. (april ethereal!)
und mit deinen argumenten hast du dich wirklich selbst ausgeknocked^^

meine meinung.

bis dann

pjotr


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 Betreff des Beitrags: Re: Was Dir am neuen Album Watershed gefällt...
BeitragVerfasst: 25.09.2009, 16:44 
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Najanaja MAYH is mein Ding nicht wirds auch nie. Kann die Begeisterung nicht verstehen. Wenns nochmal 1993 wäre vielleicht. Es ist einfach ein beschissen produziertes Album mit echt atbackenen Gitarreneffekten. Meinetwegen soll sie das nochmal einspielen oder jemand transkriptet das mal kopiert mir die Partitur, vielleicht find ich das dann zauberhaft. Ne Watershed macht mir persönlich mehr Spass. Naja früher war halt alles besser der neue Golf ist ja auch Scheisse, der Käfer war ja besser. Vielleicht kommt ja bald der Golf Opeth raus. :twisted:


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